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Irmgarteichen

irmgarteichen

Ortsgeschichte

Wo sich die Höhenrücken des Siegerlandes und des Hessischen Landesteils fast berühren, liegt auf einer Anhöhe
I r m g a r t e i c h e n.
Gemarkungsgröße 250,87 ha

Die Uhrgeschichte des Ortes

Der Ort Irmgarteichen gehört mit zu den ältesten Ansiedlungen des Siegerlandes. Über seine Entstehung liegt kein authentisches Material vor. Jedenfals sind die Entstehung des Dorfes und die der Kirchengemeinde aufs engste miteinander verquickt.
Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß alle aus alten Zeiten stammenden Papiere, die uns Lebenden heute Aufschluss hätten geben können, zur Zeit der Reformation, wo die Pfarrei Irmgarteichen durch zufällige Ereignisse einen schnellen Wechsel von Pfarrern – bald lutherischen, bald reformierten, bald katholischen –  verloren gegangen sind.
Die älteste Urkunde stammt vom 30. August 1270, nach welcher Bertolf – der Sohn des Schultheißen “ Bürgermeisters” zu Siegen – dem Kolster Keppel Rentenvon seinen Häusern verkaufte.
Unter den Zeugen erscheint hier ein “ Fridericus de Irmgarteichen”als Mitglied des Rates der Stadt.

Seit dieser Zeit wird der Ort in den verschiedensten Schreibweisen stets wieder urkundlich genannt,

  • 1270 Irmengartechen
  • 1300 Irmengarten Eichen
  • 1325 Irmgartheichen
  • 1328 Irmengarteyehen
  • 1333 Yrmegartheych
  • 1344 Irmgarteyin
  • 1344 Eringardeich
  • 1453 Yrmengardechin
  • 1553 Irmertheichen u.a.

Der Name

Über die Entstehung des Ortsnamensgehen die verschiedensten Meinungen weit auseinander. Nach Grimm "Deutsche Mythologie" ist in dem Ortsnamen Irmgarteichen die Verstärkung bzw. Steigerung des Begriffes “ Irmin “ enthalten, wie z. B. bei Irmingot: Der höchste Gott; Irminsul: Die große, göttliche, verehrte Bildsäule. Demnach bedeutet Irmgard die starke Schützerin. Bemerkenswert ist, daß das in der Nachbarschaft gelegene Dorf Erndtebrück in der alten Zeit gleichfals die ähnliche Bezeichnung Irmgartenbrück geführt hat.
Die bekannteste und schönste Entstehung des Ortes und Ortnamens ist in den beiden Sagen, von denen die Indererssandeste hier aufgezeigt ist, enthalten.

Die Sage

Es lebte in einem Stifte, das “ dere zum Hayn “ gehörte, eine gottselige Jungfrau, aus adeligem Geschlechte, mit dem Namen I r m g a r t . Als diese einst von einer schweren Krankheit heimgesucht wurde, gelobte sie, Gott zur Ehre auf den nahegelegenen Hügel eine Kirche aus Eichen erbauen zu lassen. Nach Wiedergenesung löste sie ihr Versprechen ein. Auf Anweisung eines Vögleins im nahen Gebüsch: “ Wo ich singe in den Dörren, ständ das Kirchlein allzeit gerren” , erhielt das Gotteshaus seinen jetzigen Standort und den Namen, die Kirche von Irmgarteichen Auch der Ort, welcher nach und nach um die Kirche entstand, bekam zum ewigen Zeichen den schönen Namen Irmgarteichen.
Ob diese heiligmäßige Jungfrau irgendwie mit dem Geschlecht der von Hain und einer ihrer Herrinnen zusammenhängt, ist geschichtlich nicht nachweisbar. Jedenfals war Irmgateichen im Lande die einzige einer Frau – Sankt Cäcilia – geweihte Pfarrkirche. Auch ist diese Ansicht über die Entstehung des Ortes eher und richtiger vertretbar als jede andere; deuten doch heute noch viele Bezeichnungen in- und außerhalb des Ortes auf ein Stift hin, wie z. b. "Altstift und Neustift" und die Bezeichnung des unteren Ortsteils noch mit "im Stift". Auch urkundlich läßt sich da ein Zusammenhang finden.

Das Mittelalter

Um sofort auf die oben genannte Andeutung näher zurückzukommen.
Schon in heidnischer Zeit, spätestens aber beim Übergang zur christlichen Aera muß bei der Chorseite der heutigen Kirche eine alte Begräbnisstätte gewesen sein, wie die Funde (2 Sockel alter Begräbsisurnen heute in der Heimatstube in Irmgarteichen zu sehen) es beweisen. Somit kann mit Sicherheit angenommen werden, dass auch hier das erste Kirchlein aus Holz gestanden hat. Vom “Stift” aus gesehen, auf dem nahegelegenen Hügel wie die Sage berichtet. Der Kirchplatz hatte ein direktes Gefälle zum Weiher unten im Tal und zum Stift. Ein Ablaßbrief der Bischöfe zu Avignon vom Jahre 1325 nennt eine Kapelle “zu Irmegartheichen, geweiht der hl. Cäcilia”. Und eine weitere Urkunde vom 26. 07. 1328 benamt einen”Heinrich Vicepfarrer in Irmengarteychen”. Dann finden sich fortlaufend Urkunden, in denen Kirche und Pfarrer zu Irmgarteichen genannt werden.
Gegen Ende des Mittelalters entstand an der selben Stelle eine Kirche aus Stein, gegründet von den drei Brüdern von Bicken, den Bestitzern des Hainchener Schlosses. Auch dieser Kirchenbau war mit Sagen umworben. Es wird darin gesagt: “Drei Brüder von Bicken entflohen aus der Gefangenschaft der Türken unter Kaiser Karl V. und wurden auf ein Gelübde hin auf den Rücken von Löwen durch das Mittelländische Meer getragen. Einer der Brüder versank, da er zweifelte. Die beiden anderen kamen glücklich in die Heimat und erbauten auf ihr Gelübde hin an die Stelle der alten Holzkapelle eine Kirche aus Stein. Von diesem Kirchlein kündet noch der steinerne Ritteraltar, der in der Taufkapelle der heutigen neuen Kirche im Jahre 1933 erweitert untergebracht ist. Dort sieht man auch die beiden Brüder knieend auf den Rücken zweier Löwen (eine Darstellungsweise, die man in jener Zeit übrigens sehr oft findet). Von seiner ikonographischen Bedeutung her, steht das vier Meter hohe und fast zwei Meter breite Wandgrab gegenüber dem Taufstein, dennoch sinnbildlich  im Mittelpunkt einer stillen Betrachtungsweise.
Die Auferstehung Christi als bildnerisches Thema krönt die einer pyramidalen Komposition das reich gegliederte Grabmal. In seiner bildmäßigen Ausführung ist dieses Auferstehungsmotiv einzigartig in der plastischen Kunst des Siegerlandes. Im Relief des Grabaufsatzes ist Christus als Auferstandener unter einem Wolkenband dargestellt. Von vorstehenden Säulen eingefaßt, versinnbildlicht die Darstellung den Sieg des Lebens über den Tod.Christus steht auf dem Deckel des geöffneten Grabes. Das Ostergeschehen erinnert an die Altartafel von Martin Schonauer und das Wandbild des Piro della Francesca im Rathaus von San Sepolcro um 1460.
Hier, wie auf den glanzvollen Beispielen der spätmittelalterlichen Kunst, sind die von Oilatus bestellten Wächter und Soldaten schlafend oder ohmächtig dargestellt. Die Symbole für Tod und Teufel sind überwunden.
Das Epitath der beiden Brüder Johann und Eberhart von Bicken in der Pfarrkirche ist ein echtes Kunstwerk der Spätrenaisance und nimmt eine Sonderdarstellung im Rahmen des bildnerischen Schmucks vergangener Jahrhunderderte ein. Sich nach abgeschlossener Restaurierung des Kirchenraumes der kunstgeschichtlichen Bedeutung dieses prachtvollen Grabmals aus grauem Sandstein bewußt zu werden, bedeutet einen bemerkenswerten Beitrag, das Verständnis für die wenigen erhalten gebliebenen bildnerischen Kunstwerke zu fördern.

Ferner finden wir in den frühmittelalterlichen Urkunden des öfteren die Bezeichnung von den Bewohnern im “Stiftergut”. Daß dort ein beachtenswertes Gebäude mit größerem Besitz gestanden hat, besagt eine Urkunde vom Jahre 1466, daß “das zum Hane , gen. Königshaus, weiher und freiheit zum H., gut an die Kirch zu Irmgarteich gegeben”. Zu dieser Besitzung gehörten wahrscheinlich auch die Mühle (Müllersch), die Schmiede (Schmiddeborn bei Stohls) und sie grenzte an dicke Linden im Süden(Lindes) und einen Eichenwald im Osten (Eicherts) . An die Weideflächen für die Schafherde erinnert heute noch die Bezeichnung “ am Schafweg “ und “ unter dem Schäfersplatz”.

Auch will man bei Erweiterungsbauten der Scheune des Damperschen Hofes, der heute auf diesem Platze steht, auf dicke Mauerreste gestoßen sein. Die Bewohner des Ortes jener Zeit lebten unter ärmlichen Verhältnissen von der kleinen Landwirtschaft mit ihren nur kläglichen Erträgen. Auch die Köhlerei und Glockengießerei wurde eifrig betrieben.
Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1962 vom Haus (Legge) Glockenstraße 17 wurden Formen von Glocken und eine Schmelzstelle in einer Tiefe von 1 meter gefunden sowie auch kleine Glockenstücke. Die Bilder und die Glockenstücke sind heute im Heimatmuseum in Irmgarteichen Glockenstraße 19 zu sehen.

Nicht mit großen Reichtümern gesegnet

Die Eingangs erwähnte Volksweisheit, die schon seit vielen Jahrhunderten im Johannland die Runde macht, weist deutlich daraufhin, daß die kleine Haubergsgemarkung Irmgarteichen nicht mit großen Reichtümern gesegnet war.

Bevölkerungsstand ab 1818

Jahr Einwohner
 
1818 203
1846 299
1871 230
1905 233
1933 336
1939 333
1944 364
1947 466
1950 470
1960 506
1970 606
1980 692
1982 756
1987 822
1993 892
2000 877
2009 932
       












In Irmgarteichen besteht seit je her ein sehr zahlreiches und reges Vereinsleben.
Die Vereine dem Alter nach


KAB Irmgarteichen ( KAS) gegründet 1912
Feuerwehr Irmgarteichen gegründet 1961
Caritas gegründet 1973
Frauenchor Johannland gegründet 1974
TUS Johannland gegründet 1978
Eine Welt Laden / Indienhilfe gegründet 1980